Taucher

· Tier-Team
Eine windumtoste Küstenklippe kann zunächst still wirken – nur das Rauschen der Wellen weit unten und der stetige Ruf der Seevögel über uns. Dann landet plötzlich ein kleiner Vogel mit leuchtendem Schnabel in der Nähe und watschelt über das Gras, als gehöre ihm der ganze Platz. In diesem Moment begegnen viele Menschen dem Atlantischen Papageitaucher, einem der bekanntesten Seevögel der nördlichen Ozeane.
Trotz ihres verspielten Aussehens sind Papageientaucher bemerkenswert geschickte Überlebenskünstler in rauen Meeresumgebungen. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens auf See und kehren nur zur Brutzeit an die Küstenklippen zurück. Im Laufe der Zeit haben diese Vögel faszinierende Anpassungen entwickelt, die es ihnen ermöglichen, unter schwierigen Bedingungen zu tauchen, zu nisten und ihre Jungen aufzuziehen.
Geschaffen für das Leben auf See
1. Hervorragende Unterwasserschwimmer
Atlantische Papageientaucher werden beim Tauchen oft mit kleinen Pinguinen verglichen. Anstatt mit den Füßen zu schwimmen, nutzen sie ihre Flügel wie Paddel. Papageientaucher können bis zu 60 Meter tief tauchen, um nach Nahrung zu suchen. Mit kraftvollen Flügelschlägen jagen sie kleine Fische durchs Wasser. Diese Tauchgänge dauern in der Regel weniger als eine Minute, ermöglichen es ihnen aber, mehrere Fische bei einer einzigen Jagd zu erbeuten.
2. Wasserabweisendes Gefieder
Das Leben in kalten Ozeangewässern erfordert eine ausgezeichnete Isolierung. Papageientaucher besitzen dicht gepackte Federn, die mit natürlichen Ölen überzogen sind, welche Wasser abweisen. Dies hält ihren Körper trocken und hilft ihnen, ihre Körpertemperatur zu halten, während sie lange Zeit auf kühlen Wellen treiben.
3. Langstreckenreisende auf dem Ozean
Den größten Teil des Jahres leben Atlantische Papageientaucher weitab vom Land. Nach der Brutsaison verteilen sie sich über den Nordatlantik und legen dabei Tausende von Kilometern zurück. Forscher, die Papageientaucher mit kleinen Ortungsgeräten verfolgen, haben festgestellt, dass einige Tiere bis zu acht Monate auf See bleiben, bevor sie im folgenden Frühjahr zu denselben Nistfelsen zurückkehren.
Überraschend clevere Jagdstrategien
1. Mehrere Fische gleichzeitig tragen
Eine der beeindruckendsten Fähigkeiten des Papageientauchers ist es, mehrere Fische gleichzeitig im Schnabel zu halten. Winzige, nach hinten gerichtete Stacheln an der Schnabelinnenseite helfen dabei, jeden Fisch sicher zu fixieren. Während er neue Fische fängt, drückt der Papageientaucher frühere Fänge gegen seine Zunge, damit sie ihm nicht entgleiten. Ein einziger Ausflug kann zehn oder mehr Fische für ein wartendes Küken einbringen.
2. Präzise Jagd
Papageientaucher jagen hauptsächlich kleine Schwarmfische nahe der Meeresoberfläche. Ihr scharfes Sehvermögen ermöglicht es ihnen, schimmernde Fischschwärme unter Wasser zu erkennen und dann blitzschnell abzutauchen, um ihre Beute zu fangen. Die Fähigkeit, Fische unter Wasser mit Flügelkraft zu verfolgen, macht sie im Vergleich zu vielen anderen Seevögeln zu effizienten Jägern.
3. Engagierte Eltern
Während der Brutzeit fliegen Papageitauchereltern unentwegt mit vollen Schnäbeln zwischen Meer und ihrem Nistbau hin und her. Die Küken bleiben unter der Erde verborgen, während die Altvögel täglich dutzende Male zu ihnen fliegen, um sie zu füttern. Diese unermüdliche Anstrengung dauert mehrere Wochen an, bis der Jungvogel flügge wird.
Leben an den Klippen
1. Unterirdische Nester
Anders als viele Seevögel, die offene Nester bauen, graben Papageitaucher Höhlen in grasbewachsene Klippen. Diese Tunnel können bis zu einem Meter lang werden und enden in einer kleinen, mit Gras oder Federn ausgekleideten Nistkammer. Die Höhle schützt Eier und Küken vor Witterungseinflüssen und Fressfeinden.
2. Treue Partner
Atlantische Papageitaucher finden oft in jeder Brutsaison wieder zu demselben Partner. Wenn sie im Frühling zu ihren Nistklippen zurückkehren, begrüßen sich die Paare mit einem Verhalten, das manchmal als „Schnabelklopfen“ bezeichnet wird: Sie berühren sich sanft mit ihren farbenprächtigen Schnäbeln.
3. Später Beginn der Paarbindung
Papageitaucher brüten nicht sofort nach dem Verlassen des Nestes. Jungvögel verbringen in der Regel mehrere Jahre auf See, bevor sie an Land zurückkehren, um ihre erste Paarbindung einzugehen. Viele beginnen erst mit etwa fünf Jahren zu brüten.
Eine Papageitaucherkolonie aus der Ferne zu beobachten, erinnert uns daran, dass selbst die kleinsten Seevögel über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. Ihre farbenprächtigen Schnäbel mögen zunächst ins Auge fallen, doch es ist ihre Widerstandsfähigkeit – das Tauchen durch kaltes Wasser, das Überqueren der Weiten des Ozeans und die jährliche Rückkehr zu denselben Klippen –, die sie wirklich auszeichnet. Wer das Glück hat, einen Papageitaucher auf einer grasbewachsenen Klippe über dem Meer sitzen zu sehen, dem bleibt dieser Anblick lange in Erinnerung. Der Vogel verharrt einen Moment still, dann erhebt er sich in den Wind und verschwindet im offenen Meer, als wolle er uns daran erinnern, wie vielfältig das Leben jenseits der Küste ist.