Fotos bearbeiten

· Fototeam
Ein Foto ist schnell schlecht bearbeitet – übersättigte Himmel, orangefarbene Hauttöne oder unnatürlich harte Details fallen sofort auf.
Das Ziel der Bildbearbeitung ist nicht, dass man die Bearbeitung erkennt. Sie soll ein Foto verbessern, ohne dass es seine natürliche Wirkung verliert.
Belichtung zuerst, alles andere danach
Farben wirken nur dann natürlich, wenn die Belichtung stimmt. Deshalb sollte sie immer der erste Schritt bei der Bildbearbeitung sein. Passen Sie zunächst die allgemeine Helligkeit an, bis das Bild ausgewogen wirkt. Anschließend bearbeiten Sie Lichter und Schatten getrennt voneinander.
Reduzieren Sie die Lichter leicht, um Details in hellen Bereichen zurückzuholen, und heben Sie die Schatten behutsam an, damit dunkle Bildpartien besser sichtbar werden.
Erhöhen Sie den Kontrast erst zum Schluss und nur dezent. Ziel ist es, Formen klarer herauszuarbeiten und dem Bild mehr Tiefe zu verleihen, ohne dunkle Bereiche absaufen oder helle Flächen ausbrennen zu lassen.
Die Reihenfolge Belichtung, Kontrast, Lichter und Schatten verbessert die meisten Fotos bereits erheblich, bevor weitere Anpassungen notwendig werden.
Der Weißabgleich verändert alles
Der Weißabgleich gehört zu den wirkungsvollsten Werkzeugen der Bildbearbeitung und wird dennoch häufig vernachlässigt. Ist er nicht korrekt eingestellt, wirkt das gesamte Bild unnatürlich – selbst wenn sich der Fehler nur schwer benennen lässt.
Haut kann leicht grünlich erscheinen, Weißtöne wirken gelblich oder eine warme Außenszene erscheint plötzlich kühl.
Der Temperaturregler steuert den Bereich zwischen warmen und kühlen Farbtönen. Der Farbtonregler (Tint) gleicht Farbstiche zwischen Grün und Magenta aus. Passen Sie beide Regler so an, dass Weiß wirklich weiß aussieht und Hauttöne natürlich wirken. Erst danach sollten weitere Farbeinstellungen vorgenommen werden.
Lieber Dynamik als Sättigung
Die Sättigung verstärkt alle Farben im Bild gleichermaßen. Dadurch werden Hauttöne schnell zu orange und Grüntöne unnatürlich intensiv, lange bevor das Bild insgesamt überzeugend aussieht.
Die Dynamik (Vibrance) arbeitet deutlich intelligenter: sie verstärkt vor allem weniger gesättigte Farben und lässt bereits kräftige Farbtöne weitgehend unverändert.
Für die meisten Fotos genügt eine Dynamik-Erhöhung um etwa 10 bis 15 Punkte. Wirkt anschließend dennoch eine bestimmte Farbe unnatürlich, sollte sie gezielt im HSL-Bereich angepasst werden, anstatt die gesamte Farbsättigung weiter zu erhöhen.
Wenn der Himmel bereits unnatürlich leuchtet und die Haut terrakottafarben wirkt, wurde die Sättigung eindeutig zu stark angehoben.
Klarheit und Struktur: Weniger ist mehr
Die Klarheit erhöht den Kontrast in den Mitteltönen und lässt ein Bild insgesamt schärfer erscheinen. Eine leichte Erhöhung eignet sich gut für Landschaften, Architektur- oder Produktfotos. Bei Porträts hingegen kann bereits eine geringe Erhöhung die Haut grob und unvorteilhaft wirken lassen. Hier ist oft sogar eine leicht negative Einstellung die bessere Wahl.
Der Regler „Struktur“ (Texture) arbeitet subtiler und eignet sich deshalb für die meisten Motive besser. Beide Einstellungen reagieren bereits auf kleine Veränderungen sehr deutlich. Anpassungen im einstelligen Bereich reichen in der Regel völlig aus.
Mit Bedacht zuschneiden
Das Zuschneiden dient nicht nur dazu, Bildränder zu entfernen, sondern ist ein wichtiges Gestaltungsmittel. Ein engerer Bildausschnitt beseitigt störende Elemente, verbessert die Bildkomposition und lenkt den Blick gezielt auf das Hauptmotiv. Schon eine minimale Korrektur eines schiefen Horizonts – selbst um einen halben Grad – lässt ein Bild deutlich professioneller wirken.
Kontrollieren Sie vor dem Speichern auch die Bildränder. Helle Objekte in den Ecken, Linien, die durch das Motiv verlaufen, oder unruhige Hintergründe können oft allein durch einen geschickten Zuschnitt entfernt werden. Häufig verbessert das ein Foto stärker als jede Tonwertkorrektur.
Vorher und nachher regelmäßig vergleichen
Wer längere Zeit an einem Bild arbeitet, gewöhnt sich an die vorgenommenen Änderungen und verliert leicht den Blick dafür, wie weit sich das Ergebnis vom Original entfernt hat. Deshalb lohnt es sich, während der Bearbeitung regelmäßig zwischen der ursprünglichen und der bearbeiteten Version umzuschalten.
Wirkt das Original natürlicher als die bearbeitete Version, wurden die Anpassungen wahrscheinlich übertrieben. Reduzieren Sie die Einstellungen etwa um die Hälfte und vergleichen Sie erneut. Die besten Bildbearbeitungen erkennt man gerade daran, dass niemand genau sagen kann, was verändert wurde – das Foto sieht einfach überzeugend aus.