Haustiere helfen
Lars
Lars
| 03-07-2026
Tier-Team · Tier-Team
Forschende haben sogar einen eigenen Begriff dafür: den Haustiereffekt. Gemeint ist die messbare positive Veränderung von Gesundheit und Wohlbefinden, die entstehen kann, wenn Menschen mit einem Tier zusammenleben.
Keine Zauberei. Kein Zufall. Sondern etwas, das viele Menschen erleben, wenn ein Hund oder eine Katze Teil ihres Alltags wird.
Die Wissenschaft ist dabei jedoch ehrlich: die Vorteile gelten nicht für alle. Für manche bedeutet ein Haustier zusätzlichen Stress statt Entlastung. Die Verantwortung für die Pflege ist groß. Hinzu kommen Allergien und die finanziellen Kosten. Dennoch liefern die Forschungsergebnisse für viele Menschen spannende Erkenntnisse.

Weniger Stress im Alltag

Wenn Menschen liebevoll mit Tieren umgehen – sie streicheln oder ihnen in die Augen schauen –, schüttet das Gehirn Oxytocin aus. Dieses Hormon spielt eine wichtige Rolle bei sozialer Bindung und kann dazu beitragen, den Spiegel des Stresshormons Cortisol zu senken. Niedrigere Cortisolwerte gehen mit einer ruhigeren körperlichen Stressreaktion einher.
Studien zeigen, dass tiergestützte Begegnungen mit niedrigeren Cortisolwerten verbunden sein können. Andere Untersuchungen haben ergeben, dass bereits das Streicheln eines Tieres Blutdruck und Herzfrequenz vorübergehend senken kann. Selbst das Anschauen von Tiervideos wurde in einigen Studien mit einer kurzfristigen Stressreduktion in Verbindung gebracht.

Interessante Erkenntnisse für das Herz

Hundebesitzer bewegen sich im Durchschnitt mehr als Menschen ohne Hund. Eine Studie ergab, dass sie täglich etwa 22 Minuten länger zu Fuß unterwegs sind. Diese zusätzliche Bewegung kann langfristig die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbessern.
Forschungen zeigen außerdem, dass Haustierhalter häufig einen niedrigeren Blutdruck haben als Menschen ohne Haustier. Hundehaltung wird mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, und einige Studien deuten darauf hin, dass Haustierhalter sich nach schweren Herzereignissen häufiger besser erholen.
Haustiere helfen

Überraschende Vorteile für das Gehirn

Untersuchungen mit Erwachsenen verschiedener Altersgruppen zeigen, dass Haustierhalter bei mehreren kognitiven Fähigkeiten besser abschnitten – darunter Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Besonders deutlich waren die Zusammenhänge bei Hundebesitzern.
Die Forschenden stellten außerdem fest, dass Haustierhaltung mit Merkmalen der Gehirngesundheit verbunden war, die einem Unterschied im Gehirnalter von bis zu 15 Jahren entsprachen. Da es sich jedoch um eine vergleichsweise kleine Beobachtungsstudie handelte, lässt sich daraus nicht schließen, dass Haustiere diese Unterschiede direkt verursachen.
Aktuell wird weiter untersucht, ob mehr Bewegung, soziale Kontakte, feste Alltagsroutinen oder eine Kombination dieser Faktoren die beobachteten Zusammenhänge erklären.

Einsamkeit und Depression – die Studienlage ist gemischt

Für viele Menschen hilft das Zusammenleben mit einem Haustier dabei, sich weniger einsam zu fühlen. Bei Depressionen fällt das wissenschaftliche Bild jedoch differenzierter aus. Einige Studien zeigen Vorteile für bestimmte Personengruppen, andere fanden kaum oder gar keine messbaren Effekte.
Wie im Rahmen des National Pet Month betont wurde: „die Wissenschaft ist eindeutig- Haustiere können unsere Gesundheit fördern, Stress abbauen und dazu beitragen, dass wir uns stärker mit anderen Menschen und unserer Umwelt verbunden fühlen.“
Haustiere sind jedoch keine Behandlung gegen Depressionen. Viele Menschen berichten trotzdem, dass Gesellschaft, feste Routinen und die Verantwortung für ein anderes Lebewesen ihren Alltag positiv bereichern.

Gerade ältere Menschen profitieren häufig

Studien mit älteren Erwachsenen zeigen immer wieder, dass Haustiere Gesellschaft leisten, dem Alltag Struktur geben, zu mehr Bewegung motivieren und soziale Kontakte fördern können.
Insbesondere Hundebesitz wird bei älteren Menschen häufig mit einem höheren Maß an körperlicher Aktivität und einem niedrigeren Blutdruck in Verbindung gebracht. Außerdem kann ein Haustier helfen, die Lebensqualität während großer Veränderungen wie dem Eintritt in den Ruhestand zu erhalten.
Haustiere helfen
Ob ein Haustier das eigene Leben bereichert, hängt letztlich vom Tier, den persönlichen Lebensumständen und der Bereitschaft ab, Verantwortung zu übernehmen. Haustiere sind keine Universallösung für die Herausforderungen des Lebens.
Die Forschung deutet jedoch darauf hin, dass sie vielen Menschen emotionale, soziale und gesundheitliche Vorteile bieten können.
Fest steht: die Bindung zwischen Mensch und Tier kann den Alltag auf messbare Weise positiv beeinflussen.