Ozean in Gefahr
Uwe
Uwe
| 17-07-2026
Astronomieteam · Astronomieteam
Der Ozean bedeckt mehr als 70 % der Erdoberfläche, speichert enorme Mengen an Kohlenstoff, ernährt Milliarden Menschen und beherbergt Ökosysteme, die die Wissenschaft noch immer nicht vollständig versteht.
Dass er sich derzeit in einer ernsten Krise befindet, ist daher kein abstraktes Umweltproblem.
Es ist eine konkrete Herausforderung mit Folgen, die bereits bei Fischbeständen, Korallenriffen, Küstengemeinschaften und globalen Wettermustern sichtbar werden.
Die Meeresoberflächentemperaturen haben Rekordwerte erreicht. Die Verschmutzung der Meere ist allgegenwärtig. Der Verlust der biologischen Vielfalt in marinen Ökosystemen schreitet voran.
Gleichzeitig erhält von allen UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung ausgerechnet SDG 14 – das Ziel zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Ozeane – die geringsten finanziellen Mittel. Diese Lücke zwischen dem Ausmaß des Problems und den verfügbaren Ressourcen zeigt deutlich, wie lange dieses Thema unterschätzt wurde.

Plastik bleibt das größte Problem

Jedes Jahr gelangen zwischen 8 und 10 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Damit macht Kunststoff etwa 80 % der gesamten Meeresverschmutzung aus. Seit Jahren wird über ein globales Plastikabkommen verhandelt, das verbindliche Regeln für den gesamten Lebenszyklus von Plastik schaffen soll – von der Herstellung bis zur Entsorgung.
Die Verhandlungen kommen jedoch immer wieder ins Stocken. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass erdölproduzierende Länder häufig den Schwerpunkt auf Abfallmanagement und Recycling legen, anstatt die Plastikproduktion direkt an der Quelle zu reduzieren.
Eine Koalition aus mehr als 100 Staaten setzt sich für verbindliche Maßnahmen zur Verringerung der Produktion von neuem Kunststoff ein, stößt dabei jedoch weiterhin auf Widerstand.
Gleichzeitig fördern schädliche Fischereisubventionen weiterhin die Überfischung. Ein Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO), das besonders problematische Subventionen begrenzen soll, benötigt die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder, um in Kraft treten zu können.
Der Fortschritt verläuft langsam, da viele Länder die formale Annahme verzögern.
Ozean in Gefahr

Wem gehören die internationalen Gewässer?

Etwa 61 % der Meeresfläche liegen außerhalb nationaler Hoheitsgebiete und waren daher historisch nur sehr begrenzt rechtlich geschützt. Ein wegweisendes Hochseeabkommen, das 2023 nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen verabschiedet wurde, soll diese Lücke schließen.
Das Abkommen trat im Januar 2026 in Kraft, nachdem die erforderlichen 60 Ratifizierungen erreicht wurden. Der Weg dorthin war von intensiven diplomatischen Bemühungen geprägt, unter anderem durch die UN-Ozeankonferenz in Nizza.
Der Schutz der internationalen Gewässer ist wichtiger, als vielen Menschen bewusst ist. Diese Gebiete sind nicht einfach nur freie Fanggründe. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Kohlenstoffaufnahme, der Erhaltung der Artenvielfalt und der Regulierung von Meerestemperaturen, die weltweite Wettermuster beeinflussen.
Dass 43 % der Erdoberfläche ohne ausreichenden rechtlichen Schutz bleiben, stellt eine erhebliche Lücke in der Umweltpolitik mit spürbaren ökologischen Folgen dar.

Was tatsächlich funktioniert

Auf lokaler und regionaler Ebene gibt es bereits Fortschritte. Das Reef Resilience Network der Nature Conservancy hat mehr als 50.000 Fachkräfte ausgebildet und umfasst 8.000 Mitglieder, die sich für den Schutz von Korallenriff-Ökosystemen einsetzen.
Neue Initiativen wie Blue Carbon Plus verbinden Naturschutzziele mit wirtschaftlichen Anreizen für Küstengemeinschaften und gehen damit über klassische Kohlenstoffgutschriften hinaus.
Der Tiefseebergbau bleibt eine umstrittene offene Frage. Die Internationale Meeresbodenbehörde arbeitet an Regeln für die kommerzielle Nutzung von Tiefsee-Mineralien. Viele Wissenschaftler fordern jedoch eine Pause, bis die ökologischen Risiken besser verstanden sind.
Ozean in Gefahr
Die Debatte zeigt einen größeren Konflikt: wirtschaftliche Interessen an den Ressourcen des Ozeans stehen den noch weitgehend unbekannten und empfindlichen Tiefseeökosystemen gegenüber, die bisher kaum durch industrielle Eingriffe verändert wurden.
Die Erholung der Ozeane ist möglich. Dafür müssen jedoch Maßnahmen schneller umgesetzt werden, als es internationale Verhandlungen normalerweise erlauben.